Vor wenigen Jahren besass Amina gerade einmal drei Schafe. In ihrem Heimatdorf Cocota im Norden Benins war das nichts Ungewöhnliches. Nach ihrer Schulzeit kehrte sie in ihr Dorf zurück, heiratete ihren Mann und gründete eine Familie. Wie viele andere Familien in der Region lebten sie hauptsächlich von der Landwirtschaft und dem, was ihre Felder und Tiere hergaben.
Die kleine Schafherde sollte ein zusätzliches Einkommen sichern. Doch fehlendes Fachwissen, Krankheiten und unzureichende Haltungsbedingungen führten immer wieder zu Verlusten. Oft reichte das Einkommen kaum aus, um die wichtigsten Bedürfnisse der Familie zu decken. Die Zukunft war ungewiss, Rücklagen gab es keine.


Bild: newTree | Amina und ihre Familie zeichnen ihre Vision auf und planen die nötigen Schritte und Investitionen, um Ernährung und Einkommen langfristig zu sichern.
Als Amina und ihr Mann am Ausbildungsprogramm von newTree’s lokaler Partnerorganisation, Jura-Afrique Bénin (JAB) teilnahmen, begann für die Familie ein neuer Abschnitt. JAB unterstützte sie dabei, ihre Zukunft zu planen Mithilfe der integrativen Betriebsplanung. Gemeinsam definierten sie konkrete Ziele für ihren Hof und ihre Familie. Statt nur den Alltag zu bewältigen, begannen sie, langfristig zu denken.
„Früher arbeitete jeder für sich. Heute planen wir gemeinsam und verfolgen gemeinsame Ziele“, erzählt Amina.
Diese gemeinsame Vision wurde zur Grundlage für alle weiteren Entwicklungen.
Im Rahmen des Programms von JAB erhielt Yvettes Mann eine zusätzliche Ausbildung in agrarökologischen Methoden: der Herstellung von Kompost und biologischem Flüssigdünger. Amina wurde in der Haltung von Kleintieren ausgebildet.
Mit ihrem neuen Wissen setzte die Familie erste Veränderungen sofort um. Sie bauten einen einfachen Stall aus lokalen Materialien, sorgten dafür, dass die Tiere Zugang zu sauberem Wasser hatten, impften sie und führten regelmässig Gesundheitschecks durch. Diese kleinen Anpassungen hatten grosse Auswirkungen. Die Tiere blieben gesünder, die Verluste gingen deutlich zurück und die Herde begann zu wachsen.

Bild: newTree | Der neue Stall schützt die Schafe vor Sonne und Regen. Im umzäunten Auslauf können sie sich sicher bewegen, ohne Felder, Gemüsegärten und Jungbäume abzufressen.
Innerhalb von nur zwei Jahren wuchs Aminas Bestand von drei auf zweiundzwanzig Schafe an. Doch der eigentliche Erfolg lässt sich nicht allein an Zahlen messen. Die zusätzlichen Einnahmen ermöglichen es der Familie heute, einen grossen Teil ihrer Ausgaben selbst zu tragen. Unerwartete Herausforderungen bringen sie nicht mehr sofort in existenzielle Schwierigkeiten. Gleichzeitig sorgen höhere Erträge auf den Feldern dafür, dass die Familie vielfältiger und ausgewogener essen kann. Fleisch und Eier, die früher nur selten auf dem Speiseplan standen, gehören heute regelmässig zu den Mahlzeiten.
Mit den neuen Möglichkeiten wuchs auch Aminas Selbstvertrauen. 2025 schloss sie sich einer Frauengruppe in ihrem Dorf an und nahm an weiteren Schulungen zu Ernährung, Hygiene und Gesundheit teil. Das erworbene Wissen verbessert nicht nur das Wohlbefinden ihrer Familie, sondern kommt auch anderen Menschen zugute.
Heute besuchen Dorfbewohner:innen ihren Hof, um von ihren Erfahrungen zu lernen. Besonders Frauen suchen den Austausch mit ihr und lassen sich zeigen, wie eine erfolgreiche Tierhaltung aufgebaut werden kann. Aus einer jungen Frau, die einst um das Auskommen ihrer Familie kämpfte, ist eine Ansprechpartnerin und ein Vorbild für ihre Gemeinschaft geworden.
Aminas Geschichte zeigt, was nachhaltige Hilfe zur Selbsthilfe bewirken kann. Langfristige Veränderungen entstehen nicht durch kurzfristige Unterstützung. Sie entstehen, wenn sich Menschen mit Zugang zu Wissen und praktischen Fähigkeiten eine Perspektive erarbeiten. Wenn Familien lernen, ihre Ressourcen besser zu nutzen, werden sie selbst zu den wichtigsten Akteuren ihrer Entwicklung.
Heute profitiert nicht nur Amina von diesem Wandel. Ihre Kinder wachsen in einer stabileren Umgebung auf. Andere Familien lernen von ihrem Erfolg. Wissen verbreitet sich im Dorf. Neue Chancen entstehen.
Aus drei Schafen wurde eine Herde von zweiundzwanzig Tieren. Aus Unsicherheit wurde Zuversicht. Und aus einer Familie, die kaum über die Runden kam, wurde ein Beispiel dafür, wie nachhaltige Unterstützung langfristige Veränderungen ermöglicht.
Genau darin liegt die Wirkung der Arbeit von newTree: Menschen werden befähigt, ihre Zukunft selbst in die Hand zu nehmen und diese Veränderung an andere weiterzugeben.
*Name aus Persönlichkeitsschutzrechten geändert.
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